Es ist Sommer. Es ist warm. Die Hitze macht auch vor dem gut gefüllten Zollhaus-Café nicht halt. Sie hält dutzende Menschen dennoch nicht davon ab, die Eröffnungsveranstaltung zu den Ausstellungen „Längst vergessene Held*innen - Sinti* und Roma*Sportler in der Bundesrepublik Deutschland“, „Unter uns? - Sinti in Ostfriesland“ und „Erinnerungsmittler erzählen“ an diesem Dienstagabend im Juli zu besuchen.
Unter dem Titel „Erinnern. Erzählen. Sichtbar machen. Die Geschichte von Sinti und Roma in Ostfriesland und im Sport der Bundesrepublik Deutschland“ organisiert Borussia das Projekt in enger Zusammenarbeit mit dem 1. Sinti-Verein Ostfriesland und dem Zollhausverein, der die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt.
Beginnen wird der Abend mit Musik des Richie Balke Ensembles aus Bremerhaven, das Sinti-Jazz zum Besten gibt und die Gäste gleich mitwippen lässt. Es folgen Redebeiträge vom SV Borussia Leer, für den Tammo Müller ans Mikrofon tritt und die Hintergründe des Projektes anreißt; von Ingo Lindemann, einem der Vorsitzenden des Sinti-Vereins, der zur Ausstellung „Unter uns?“ einleitet und schildert, wie lang und fest die Sinti-Community schon in Leer verwurzelt ist und sich dennoch auch heute noch Diskriminierung ausgesetzt sieht; von Anna Wagner, die das Gesagte mit biografischen Eindrücken von Christian Mettbach unterstreicht und einen Vorgeschmack auf den kommenden Mittwoch bietet, an dem der Sintiverein weitere Biografien Leeraner Sinti vorstellen wird; Oswald Marschall, ehemaliger Profiboxer, politischer Referent für den Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und mitverantwortlich für die Ausstellung „Längst vergessene Held*innen“, der diese Diskriminierungserfahrungen auch im Sport benennt, klar macht, dass es zurzeit mehrere Leuchttürme für Sinti und Roma im Profisport gäbe, diese sich aus Angst vor Diskriminierung und Karriereproblemen aber nicht outen würden.
Dazwischen und zum Abschluss wird immer wieder dem Richie Balke Ensemble gelauscht, welches das Publikum durch die Tempowechsel und die eindrückliche, mitreißende Musik auf die Bühne holt.
Jetzt werden die Vorhänge geöffnet; können die Menschen in die Ausstellungen strömen und kommen dabei noch ins Gespräch. Auf Roll-Ups, Tafeln und einem Bildschirm wird deutlich, dass Sinti und Roma fester Bestandteil der Gesellschaft sind und das schon seit Jahrhunderten. Aber eben auch, dass sie genauso lange mit Rassismus konfrontiert sind, ihre Kulturen als minderwertig und ihre Identität als kriminell verleumdet werden.
Ein Ziel dieses Projekts ist, die Sichtbarkeit für Sinti und Roma zu erhöhen, Hürden ab- und Brücken aufzubauen. Es wird sicherlich nicht die letzte Kooperation zwischen den Vereinen gewesen sein, die positiv auf diesen Abend blicken.
Die Ausstellung ist noch von heute bis Donnerstag, 16 bis 19 Uhr zu sehen. Am Mittwoch findet um 17 Uhr die Veranstaltung "Erinnerungsmittler erzählen" statt.
Die Ausstellung und die dazugehörigen Veranstaltungen werden im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.
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